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Eine Website ist kein IKEA-Regal

Sven Heynhold
5 Min Lesezeit
Weiße Illustration eines Website-Rahmens als Regal mit Bauteilen, Inbusschlüssel und Anschlagwinkel

Ein Regal aus dem Katalog ist in zwei Stunden aufgebaut und kostet wenig. In der ersten Wohnung ist es genau richtig. Nur passt es irgendwann nicht mehr: Die Nische ist krumm, die Bücher sind zu schwer, und für den einen Fachboden, den man wirklich bräuchte, gibt es kein Teil. Mit Website Baukästen ist es dasselbe. Sie sind ein guter Anfang und ein schlechter Dauerzustand, sobald ein Unternehmen wächst.

Was ein Baukasten eigentlich ist

Gemeint sind Systeme wie Wix, Squarespace, Jimdo oder IONOS MyWebsite, dazu WordPress in Kombination mit einem Seitenbaukasten wie Elementor oder Divi. Bei Shops kommt Shopify dazu, bei gestalterisch freieren Projekten Webflow.

Alle funktionieren nach demselben Prinzip. Es gibt fertige Bauteile, eine Vorlage und ein Raster, in das man sie schiebt. Man baut nicht, man setzt zusammen. Genau das macht sie schnell, und genau das ist später die Grenze.

Das ist keine Kritik an den Anbietern. Ein Regal aus dem Katalog ist auch kein schlechtes Möbel. Es ist für einen bestimmten Zweck gebaut, und außerhalb dieses Zwecks wird es unbequem.

Wann ein Baukasten die richtige Wahl ist

Wir raten selbst dazu, wenn die Lage danach ist. Ein Baukasten reicht meistens, wenn:

  • die Seite vor allem beweisen soll, dass es dich gibt
  • es um wenige Unterseiten geht, die sich selten ändern
  • noch nicht feststeht, wohin das Geschäft läuft
  • das Budget für den Anfang klein bleiben muss
  • niemand da ist, der sich um Technik kümmern will

Eine schnelle Seite, die online ist, schlägt eine perfekte Seite, die es nicht gibt. Wer gerade anfängt, sollte sein Geld eher in Kunden stecken als in Technik.

Wo es anfängt zu klemmen

Das Problem taucht selten am ersten Tag auf. Es taucht auf, wenn das Unternehmen weiterkommt und die Website mitwachsen soll.

Typische Punkte, an denen wir gerufen werden:

  • Es sollen zwanzig Leistungsseiten mit gleicher Struktur entstehen, und jede muss von Hand nachgebaut werden
  • Der Bestand an Projekten oder Produkten soll filterbar sein, das System kennt aber nur einzelne Seiten
  • Termine sollen direkt auf der Seite gebucht werden, mit euren Regeln und nicht mit denen eines Zusatzdienstes
  • Die Seite soll an das Warenwirtschafts oder Kundensystem angebunden werden
  • Es kommt eine zweite Sprache dazu
  • Die Ladezeit sinkt mit jedem weiteren Zusatzmodul weiter ab

Jeder einzelne Punkt ist im Baukasten irgendwie lösbar. Die Lösung heißt nur fast immer: noch ein Zusatzmodul, noch ein Abonnement, noch ein Umweg.

Irgendwann kostet der Umbau mehr als der Neubau

So wächst ein Stapel. Ein Modul für Formulare, eins für Buchungen, eins für Übersetzungen, eins für den Bereich, den das System nicht vorsieht. Jedes davon kostet monatlich, muss aktuell gehalten werden und kann nach einem Update Ärger machen.

Dazu kommt die Zeit. Was in einer eigens gebauten Seite ein Feld in der Verwaltung wäre, ist im Baukasten oft eine Stunde Klickarbeit, jedes Mal aufs Neue. Diese Stunden tauchen in keiner Rechnung auf und sind trotzdem der größere Posten.

Deshalb ist der Vergleich nie nur der Preis am ersten Tag. Interessant ist, was die Seite über drei Jahre kostet, inklusive der Arbeit, die sie jeden Monat verursacht.

Du mietest ein Regal, du besitzt es nicht

Bei den geschlossenen Systemen liegt die Seite auf der Plattform des Anbieters, und sie funktioniert nur dort. Texte und Bilder bekommt man in der Regel heraus, das Gebaute selbst nicht. Ein Umzug bedeutet im Zweifel: noch einmal von vorn.

Dazu kommt, dass die Regeln nicht dir gehören. Preise ändern sich, Funktionen werden umgebaut oder eingestellt, und ein Tarifwechsel kann darüber entscheiden, ob eine Funktion weiterläuft. Solange die Seite klein ist, ist das verkraftbar. Wenn Anfragen darüber hereinkommen, ist es ein Risiko.

Bei einer eigens gebauten Seite gehört dir, was entstanden ist. Der Anbieter dahinter ist austauschbar, und du entscheidest, wann sich etwas ändert.

Auch bei Google macht das einen Unterschied

Moderne Baukästen sind nicht grundsätzlich schlecht auffindbar. Titel, Beschreibungen und Adressen lassen sich überall pflegen, und eine saubere Baukastenseite steht besser da als eine vernachlässigte Eigenbauseite.

Der Unterschied liegt in dem, was darüber hinausgeht. Wie schnell die Seite wirklich lädt, wenn fünf Zusatzmodule mitgeladen werden. Wie sauber die Struktur ist, wenn jede Seite von Hand zusammengeklickt wurde. Wie leicht sich für jede Leistung und jeden Ort eine eigene, gute Unterseite anlegen lässt.

Genau daran hängt Sichtbarkeit, und genau das wird im Baukasten mit wachsender Seitenzahl mühsamer statt einfacher. Mehr dazu steht im Beitrag darüber, warum die Konkurrenz mit der schlechteren Website vor dir stehen kann.

Was eine eigene Lösung anders macht

Eine individuell gebaute Seite dreht die Reihenfolge um. Nicht die Vorlage gibt vor, wie das Unternehmen dargestellt wird, sondern das Unternehmen gibt vor, wie die Seite aufgebaut ist.

Praktisch heißt das:

  • Inhalte liegen strukturiert vor, eine neue Leistungsseite ist ein Eintrag und keine Bastelei
  • Es lädt nur, was gebraucht wird, deshalb ist die Seite schnell und bleibt es
  • Abläufe wie Anfragen, Buchungen oder Angebote folgen euren Regeln
  • Andere Systeme lassen sich anbinden, statt sie nebeneinander zu pflegen
  • Die Gestaltung ist eure und nicht die der Vorlage
  • Der Umzug zu einem anderen Anbieter ist eine Entscheidung und kein Neubau

Der Aufwand am Anfang ist höher, das ist der ehrliche Teil. Dafür wird die Seite mit jeder Anforderung billiger statt teurer, weil sie dafür gebaut wurde, erweitert zu werden.

Woran du merkst, dass der Zeitpunkt da ist

Ein Wechsel lohnt sich nicht, weil eine Seite alt ist. Er lohnt sich, wenn die Seite im Weg steht. Diese Sätze hören wir meistens kurz davor:

  • Wir trauen uns nicht mehr, etwas zu ändern, weil danach immer etwas kaputt ist
  • Für jede Kleinigkeit brauchen wir jemanden von außen
  • Wir zahlen inzwischen für fünf Zusatzdienste und wissen nicht mehr wofür
  • Unsere Leute pflegen die Daten doppelt, einmal im System und einmal auf der Seite
  • Die Seite bringt Besucher, aber kaum Anfragen
  • Wir wollten schon dreimal etwas umsetzen und haben es gelassen, weil es nicht ging

Wenn zwei oder drei davon zutreffen, rechnet sich der Schritt meistens schon. Nicht, weil das Neue schöner wäre, sondern weil das Alte jeden Monat Geld und Zeit kostet.

Wie wir das bei uns machen

Wir fragen zuerst, was in den nächsten zwei Jahren dazukommen soll. Danach entscheidet sich, wie viel Technik es wirklich braucht. Manchmal ist das Ergebnis, dass der Baukasten für den Moment reicht, und dann sagen wir das auch.

Wenn eine eigene Lösung sinnvoll ist, bauen wir sie so, dass ihr sie selbst pflegen könnt. Inhalte gehören in die Hände derer, die sie kennen, und nicht in ein Ticketsystem.

Wenn du gerade an einem Baukasten hängst und nicht weißt, ob sich der Wechsel lohnt, schick uns den Link. Du bekommst eine ehrliche Einschätzung, auch dann, wenn sie lautet, dass du vorerst bleiben solltest.

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