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llms.txt: was die kleine Datei für deine Website wirklich bringt

Sven Heynhold
6 Min Lesezeit
Illustration: eine Website wird über die llms.txt an ein Sprachmodell weitergegeben

Seit einigen Monaten kommt in fast jedem Gespräch über Sichtbarkeit irgendwann dieselbe Frage: Brauchen wir eigentlich auch so eine llms.txt? Meistens hat jemand davon gelesen, oft verbunden mit dem Versprechen, dass man damit in ChatGPT und Co. gefunden wird. Wir haben für unsere eigene Seite vor Kurzem eine angelegt und wollen hier ehrlich aufschreiben, was die Datei ist, was sie kann und was nicht.

Was eine llms.txt überhaupt ist

Eine llms.txt ist eine einfache Textdatei, die im Hauptverzeichnis einer Website liegt, also unter deinedomain.de/llms.txt. Sie richtet sich nicht an Menschen, sondern an Sprachmodelle. Die Abkürzung LLM steht für Large Language Model, also genau die Technik, die hinter ChatGPT, Claude oder Perplexity steckt.

Die Idee stammt von Jeremy Howard, der sie im Herbst 2024 vorgeschlagen hat. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Eine normale Website ist für Maschinen ziemlich unaufgeräumt: Navigation, Cookie Banner, Skripte, verschachtelte Menüs. Ein Sprachmodell muss sich durch all das durcharbeiten, um am Ende ein paar brauchbare Sätze zu finden. Die llms.txt ist der Versuch, ihm diese Sätze direkt hinzulegen.

Man kann sie sich vorstellen wie den Zettel, den man einer neuen Kollegin am ersten Tag in die Hand drückt. Kein Handbuch, sondern das Wichtigste auf einer Seite.

So ist die Datei aufgebaut

Geschrieben wird sie in Markdown, einem schlichten Textformat, das Menschen und Maschinen gleichermaßen gut lesen können. Der Aufbau folgt einem festen Muster:

  • Ganz oben steht der Name der Website oder des Unternehmens als Überschrift
  • Darunter folgt eine kurze Zusammenfassung in ein, zwei Sätzen
  • Danach kommen Abschnitte mit weiteren Informationen, etwa zu Leistungen oder Arbeitsweise
  • Jeder Abschnitt kann Links auf die wichtigsten Unterseiten enthalten, jeweils mit einer kurzen Beschreibung

Bei unserer eigenen Datei sieht das so aus: Oben steht HWM Agentur, darunter zwei Sätze dazu, wer wir sind und wo wir sitzen. Danach folgen unser Profil, die wichtigsten Seiten, unsere Leistungen, die Technik, mit der wir arbeiten, und die Artikel aus diesem Blog. Das Ganze passt auf eine Bildschirmseite und war in einer guten Stunde geschrieben.

Manche Seiten legen zusätzlich eine llms-full.txt an, in der nicht nur Links, sondern die kompletten Inhalte stehen. Das ist vor allem für Softwaredokumentationen interessant. Für eine normale Unternehmensseite braucht man das selten.

Nicht zu verwechseln mit robots.txt und Sitemap

Weil alle drei Dateien im selben Verzeichnis liegen und ähnlich klingen, werden sie gern durcheinandergeworfen. Dabei haben sie ganz unterschiedliche Aufgaben:

  • Die robots.txt regelt, welche Bereiche einer Website ein Crawler besuchen darf und welche nicht
  • Die Sitemap listet alle Seiten auf, damit Suchmaschinen nichts übersehen
  • Die llms.txt erklärt, worum es auf der Website geht und was davon wichtig ist

Wichtig ist vor allem der erste Punkt. Wer verhindern will, dass KI Anbieter die eigenen Inhalte verwenden, erreicht das nicht über die llms.txt. Dafür ist nach wie vor die robots.txt zuständig. Die llms.txt ist eine Einladung, keine Tür mit Schloss.

Die ehrliche Antwort: Wer liest die Datei überhaupt?

Hier liegen die Versprechen im Netz und die Wirklichkeit am weitesten auseinander. Die llms.txt ist kein offizieller Standard. Es gibt kein Gremium, das sie beschlossen hat, und keinen der großen KI Anbieter, der verbindlich zugesagt hat, sie auszuwerten.

Google hat sich sogar recht deutlich geäußert. Leute aus dem Suchteam haben mehrfach gesagt, dass Google die Datei nicht nutzt, und sie mit dem alten Keywords Meta Tag verglichen, den Suchmaschinen schon lange ignorieren. Und viele Seitenbetreiber, die in ihre Zugriffsprotokolle schauen, berichten, dass die Datei von den bekannten KI Crawlern bisher eher selten abgerufen wird.

Wer dir also erzählt, dass du mit einer llms.txt in ChatGPT nach oben kommst, verkauft dir etwas, das niemand belegen kann. Wir sagen das so deutlich, weil wir genau diese Versprechen gerade ziemlich oft hören.

Warum wir trotzdem eine haben

Wenn die Datei so wenig bewirkt, warum liegt dann auf unserer Seite eine? Aus drei Gründen:

  • Sie kostet fast nichts. Eine Stunde Arbeit, einmal angelegt, gelegentlich ergänzt
  • Sie wird durchaus genutzt, nur an anderer Stelle. Einige Programmierwerkzeuge und KI Assistenten, die gezielt eine Website auslesen sollen, greifen darauf zurück, vor allem bei technischen Dokumentationen
  • Sie zwingt einen, das eigene Unternehmen in wenigen Sätzen zu beschreiben

Der letzte Punkt ist aus unserer Sicht der wertvollste. Beim Schreiben unserer eigenen Datei haben wir gemerkt, wie schwer es ist, in zwei Sätzen zu sagen, was man macht und für wen. Wer das nicht kann, hat meistens auch auf der Website ein Problem damit. Insofern ist die llms.txt eine ziemlich gute Übung, selbst wenn am Ende kein einziges Sprachmodell sie liest.

Und falls sich die Idee doch durchsetzt, ist man vorbereitet. Das Risiko liegt bei null, der mögliche Nutzen irgendwo zwischen klein und interessant.

Was für die Sichtbarkeit in KI Antworten wirklich zählt

Wenn es dir darum geht, in den Antworten von ChatGPT, Perplexity oder den KI Übersichten bei Google aufzutauchen, dann entscheidet darüber vor allem deine Website selbst. Diese Systeme greifen auf dieselben Inhalte zu wie Suchmaschinen, und sie mögen dieselben Dinge:

  • Klare Texte, die konkrete Fragen beantworten, statt allgemeiner Werbesprache
  • Eine eigene Unterseite für jede Leistung, damit eindeutig ist, was du anbietest
  • Eine saubere Struktur mit echten Überschriften, die auch ohne Design verständlich ist
  • Einheitliche Angaben zu Name, Adresse und Leistungen überall im Netz
  • Erwähnungen auf anderen Seiten, etwa in Verzeichnissen, Fachportalen oder der lokalen Presse
  • Strukturierte Daten, mit denen Maschinen Adresse, Öffnungszeiten und Bewertungen eindeutig zuordnen können

Das ist im Grunde dieselbe Arbeit, die auch bei Google hilft. Wir haben dazu ausführlicher in unserem Artikel darüber geschrieben, warum die Konkurrenz mit der schlechteren Website oft vorne steht. Eine llms.txt kann diese Arbeit ergänzen. Ersetzen kann sie sie nicht.

So legst du deine eigene llms.txt an

Wenn du es ausprobieren willst, reicht ein einfacher Texteditor. So gehen wir dabei vor:

  • Schreib in die erste Zeile den Namen deines Unternehmens mit einer Raute davor
  • Fasse darunter in zwei Sätzen zusammen, wer ihr seid, was ihr macht und für wen
  • Liste die fünf bis zehn wichtigsten Seiten deiner Website auf, jeweils mit einem Satz Beschreibung
  • Ergänze kurze Abschnitte zu Leistungen, Standort und Kontakt
  • Speichere die Datei als llms.txt und lade sie ins Hauptverzeichnis deiner Website hoch
  • Ruf sie im Browser unter deinedomain.de/llms.txt auf und prüfe, ob alles lesbar ist

Schreib dabei so, wie du es einem Menschen erklären würdest. Keine Liste mit Suchbegriffen, keine Übertreibungen. Was in der Datei steht, sollte genau so auch auf deiner Website zu finden sein, sonst passt das Bild am Ende nicht zusammen.

Und denk daran, sie zu pflegen. Eine llms.txt, in der noch Leistungen stehen, die du längst nicht mehr anbietest, ist schlechter als gar keine.

Unser Fazit

Die llms.txt ist eine gute Idee, die noch darauf wartet, wirklich gebraucht zu werden. Sie schadet nicht, sie kostet kaum etwas, und sie hilft dabei, die eigene Botschaft auf den Punkt zu bringen. Ein Hebel für mehr Anfragen ist sie heute nicht.

Wenn du wissen willst, wie deine Website gerade von Suchmaschinen und KI Systemen gelesen wird, sprich uns gern an. Wir schauen uns das gemeinsam mit dir an und sagen dir ehrlich, wo sich Arbeit lohnt und wo nicht. Und wenn du magst, schreiben wir deine llms.txt gleich mit.

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