Zum Inhalt
HWM Agentur
  • Sicherheit
  • Hosting

Fake Mails im Namen von IONOS: so erkennst du sie und so gehst du damit um

Sven Heynhold
9 Min Lesezeit
Weiße Illustration eines geöffneten Briefumschlags mit einer Rechnung, an der ein Angelhaken hängt, daneben ein Warnsymbol

Fast jede Woche schickt uns ein Kunde einen Screenshot und fragt: Ist die echt? Meistens geht es um eine Mail, die aussieht, als käme sie von IONOS. Mal ist es eine offene Rechnung, mal eine fehlgeschlagene Abbuchung, mal soll die Domain in 24 Stunden gelöscht werden. Fast immer ist die Antwort dieselbe: Nein, das ist Betrug. Weil uns diese Frage so oft erreicht, schreiben wir hier einmal ausführlich auf, woran du solche Mails erkennst und wie du am besten damit umgehst.

Warum es gerade IONOS Kunden so oft trifft

IONOS ist einer der größten Anbieter für Domains, Hosting und Mailpostfächer in Deutschland. Sehr viele kleine Unternehmen, Selbstständige und Vereine haben dort ihre Website oder zumindest ihre Mailadresse. Für Betrüger ist das eine einfache Rechnung: Wer tausende Mails mit IONOS Logo verschickt, trifft zwangsläufig viele Menschen, die tatsächlich Kunde sind.

Dazu kommt, dass eine Domain für die meisten Unternehmen unglaublich wichtig ist. Die Drohung, dass sie abgeschaltet wird oder die Mails nicht mehr ankommen, erzeugt sofort Druck. Und genau dieser Druck ist das Werkzeug, mit dem solche Mails arbeiten.

Wichtig ist uns dabei eine Sache: Es bedeutet nicht, dass bei IONOS Daten gestohlen wurden. In den allermeisten Fällen raten die Absender einfach. Sie schicken dieselbe Mail an riesige Listen von Adressen und hoffen, dass ein paar Treffer dabei sind.

Die Maschen, die wir am häufigsten sehen

Die Texte ändern sich ständig, die Grundmuster bleiben aber erstaunlich gleich. Diese Varianten landen bei unseren Kunden immer wieder:

  • Eine neue Rechnung, die angeblich noch offen ist, oft mit einem Betrag, der sich nicht zuordnen lässt
  • Eine Abbuchung, die fehlgeschlagen sein soll, verbunden mit der Bitte, die Zahlungsdaten zu aktualisieren
  • Eine Domain, die ablaufen oder gelöscht werden soll, wenn du nicht sofort verlängerst
  • Ein Postfach, das voll ist oder deaktiviert wird, wenn du dich nicht neu anmeldest
  • Eine Sicherheitswarnung wegen eines verdächtigen Logins, die dich auf eine Anmeldeseite schickt
  • Eine Rückerstattung, für die du nur noch deine Kartendaten eingeben musst

Das Ziel ist immer eins von zwei Dingen. Entweder sollst du Zugangsdaten auf einer nachgebauten Anmeldeseite eintippen, oder du sollst Geld überweisen beziehungsweise Karten oder Kontodaten hinterlegen. Manchmal auch beides nacheinander.

Der schnellste Check: deine Kundennummer

Wenn wir nur einen einzigen Tipp geben dürften, dann diesen. Echte Mails von IONOS zu deinem Vertrag, also Rechnungen, Mahnungen oder Hinweise zu Domains, enthalten in aller Regel deine Kundennummer. Die Fälschungen haben entweder gar keine, eine erfundene oder einfach deine Mailadresse an der Stelle, wo die Nummer stehen müsste.

Deine echte Kundennummer findest du, wenn du dich selbst bei IONOS anmeldest. Sie steht im Kundenbereich und auf jeder bisherigen Rechnung. Leg sie dir am besten einmal irgendwo ab, wo du sie schnell findest, dann ist der Vergleich eine Sache von Sekunden.

Ein Hinweis zur Ehrlichkeit: Eine passende Kundennummer ist ein gutes Zeichen, aber kein Beweis. Falls Betrüger die Nummer irgendwoher kennen, etwa aus einem gehackten Postfach, können sie sie auch einsetzen. Eine fehlende oder falsche Nummer ist dagegen ein ziemlich sicheres Zeichen, dass etwas nicht stimmt.

Absender, Anrede und Ton

Der angezeigte Name über einer Mail ist frei wählbar. Da kann IONOS stehen, IONOS Kundenservice oder sogar IONOS Rechnungsabteilung, das beweist gar nichts. Tipp oder klick deshalb auf den Namen, bis die vollständige Mailadresse erscheint. Kommt die Mail von einer Adresse, die nicht auf ionos.de oder ionos.com endet, kannst du sie löschen.

Leider ist das umgekehrt kein Freifahrtschein. Absenderadressen lassen sich fälschen, und nicht jedes Postfach fängt das zuverlässig ab. Deshalb ist der Absender ein Hinweis unter mehreren und nie das alleinige Argument.

Weitere Dinge, die uns bei Fälschungen immer wieder auffallen:

  • Eine allgemeine Anrede wie Sehr geehrter Kunde oder nur deine Mailadresse statt deinem Namen
  • Fristen von 24 oder 48 Stunden und die Drohung mit Sperrung, Löschung oder Inkasso
  • Beträge, die nicht zu deinem Vertrag passen, oder Produkte, die du gar nicht gebucht hast
  • Holprige Formulierungen, falsche Umlaute oder ein Mix aus Deutsch und Englisch
  • Eine Rechnung, die nur als Link verschickt wird, obwohl du sie sonst anders bekommst

Beim letzten Punkt muss man fair sein: Durch KI werden die Texte gerade deutlich besser. Rechtschreibfehler waren früher ein gutes Erkennungszeichen, heute sind viele Fälschungen sprachlich sauber. Umso wichtiger sind die technischen Prüfungen, also Kundennummer, Link und Absender.

Vorsicht bei Anhängen

Manche Fake Rechnungen kommen nicht mit Link, sondern mit Anhang. Hier gilt eine einfache Regel: Öffne keine Anhänge aus Mails, bei denen du dir nicht sicher bist. Besonders kritisch sind ZIP Archive, Dateien mit der Endung html oder htm und Dokumente, die dich nach dem Öffnen auffordern, Makros oder Inhalte zu aktivieren.

Auch ein PDF ist nicht automatisch harmlos. Oft steckt darin einfach wieder ein großer Button mit einem Link auf eine gefälschte Seite. Das Prüfen der Adresse funktioniert dort genauso wie in der Mail.

Die wichtigste Regel: nie über die Mail, immer direkt

Alle Tipps oben helfen dir beim Erkennen. Die eine Gewohnheit, die dich wirklich schützt, ist aber viel einfacher: Klick bei Mails zu Rechnungen, Zahlungen oder Konten grundsätzlich nicht auf den Link in der Mail.

Öffne stattdessen selbst den Browser, tipp ionos.de ein oder nutze ein Lesezeichen, und melde dich dort an. Wenn es wirklich eine offene Rechnung oder ein Problem mit deiner Domain gibt, siehst du das im Kundenbereich. Steht dort nichts, war die Mail gefälscht. So einfach ist das, und es funktioniert bei jedem Anbieter, bei deiner Bank und bei jedem Onlineshop genauso.

Bei uns im Büro haben wir daraus eine feste Regel gemacht. Keine Zahlung und kein Login über einen Link aus einer Mail, egal wie echt sie aussieht. Das kostet jedes Mal vielleicht dreißig Sekunden und hat uns schon mehr als einmal Ärger erspart.

Was du mit einer Fake Mail machen solltest

Wenn du eine Mail als Fälschung erkannt hast, reicht es im Grunde, sie zu löschen. Wer anderen helfen will, kann noch ein bisschen mehr tun:

  • Markiere die Mail in deinem Postfach als Spam oder Phishing, damit dein Filter dazulernt
  • Leite sie an IONOS weiter. Auf der Hilfeseite von IONOS zum Thema Phishing steht, an welche Adresse verdächtige Mails gehen sollen
  • Die Verbraucherzentrale sammelt solche Mails ebenfalls in ihrem Phishing Radar und warnt dort vor aktuellen Wellen
  • Antworte nicht auf die Mail, auch nicht, um dich zu beschweren. Damit bestätigst du nur, dass deine Adresse aktiv ist
  • Sag im Team Bescheid, wenn die Mail an mehrere Adressen ging. Oft reicht ein Klick von einer Person

Und wenn du schon geklickt hast?

Das passiert, und es passiert auch Menschen, die sich eigentlich gut auskennen. Wichtig ist nur, jetzt schnell zu handeln und nicht aus Scham abzuwarten. Je nachdem, was du eingegeben hast, sind das die nächsten Schritte:

  • Ändere sofort dein IONOS Passwort, und zwar über die echte Seite, die du selbst aufrufst
  • Nutzt du dasselbe Passwort noch woanders, ändere es dort ebenfalls
  • Aktiviere die Zwei Faktor Anmeldung für deinen IONOS Zugang, falls noch nicht geschehen
  • Prüfe im Kundenbereich, ob Zahlungsdaten, Kontaktdaten oder Einstellungen deiner Domains verändert wurden
  • Schau in deinen Postfächern nach, ob Weiterleitungen oder Regeln angelegt wurden, die du nicht kennst
  • Hast du Karten oder Kontodaten eingegeben, ruf sofort deine Bank an und lass die Karte sperren. Die Sperrnummer 116 116 funktioniert rund um die Uhr
  • Informiere den IONOS Kundenservice über die Rufnummer aus deinem Kundenbereich
  • Erstatte Anzeige bei der Polizei, das geht in den meisten Bundesländern auch über die Onlinewache

Heb die Fake Mail dafür auf, statt sie zu löschen. Für die Bank und die Polizei ist sie ein wichtiger Beleg.

So machst du es Betrügern schwerer

Ganz verhindern lassen sich solche Mails nicht. Du kannst aber dafür sorgen, dass ein Fehler nicht gleich zum Problem wird:

  • Zwei Faktor Anmeldung überall aktivieren, wo es geht. Selbst wenn dein Passwort gestohlen wird, kommt damit niemand in dein Konto
  • Einen Passwortmanager nutzen. Der trägt deine Daten nur auf der echten IONOS Seite ein und bleibt auf einer Fälschung einfach leer. Das ist ein erstaunlich guter Warnhinweis
  • Rechnungen immer im Kundenbereich prüfen und nicht in der Mail
  • Für Zahlungen an IONOS ein Lastschriftmandat nutzen, dann gibt es ohnehin keinen Grund, auf eine Zahlungsaufforderung per Mail zu reagieren
  • Das Team einmal kurz einweisen. Zehn Minuten mit ein paar echten Beispielen bringen oft mehr als jeder Spamfilter

Wenn Fake Mails sogar von deiner eigenen Domain kommen

Einen Fall sehen wir immer öfter: Die Fälschung scheint von deiner eigenen Adresse zu kommen, etwa von info@deinedomain.de an info@deinedomain.de. Das wirkt beunruhigend, bedeutet aber meistens nicht, dass dein Postfach gehackt wurde. Die Absender tragen deine Adresse einfach als Absender ein.

Dagegen helfen drei technische Einträge in den Einstellungen deiner Domain, die SPF, DKIM und DMARC heißen. Sie legen fest, welche Server im Namen deiner Domain Mails verschicken dürfen, und sagen anderen Postfächern, was mit Fälschungen passieren soll. Bei vielen Domains, die wir uns anschauen, fehlt mindestens einer davon oder ist so eingestellt, dass er nichts bewirkt.

Das schützt nicht nur dich, sondern auch deine Kunden. Denn wenn deine Domain gefälscht werden kann, landen Fake Rechnungen in deinem Namen irgendwann auch bei ihnen.

Unser Fazit

Fake Mails im Namen von IONOS werden nicht verschwinden, und sie werden eher besser als schlechter. Mit ein paar Handgriffen erkennst du die meisten aber sofort: Kundennummer vergleichen, Link prüfen, Absender anschauen. Und wenn du dir unsicher bist, gehst du einfach direkt in deinen Kundenbereich statt über die Mail.

Wenn du eine verdächtige Mail bekommen hast und nicht sicher bist, schick uns gern einen Screenshot. Wir sagen dir ehrlich, ob sie echt ist. Und wenn du wissen willst, ob deine eigene Domain gegen Fälschungen abgesichert ist, schauen wir uns SPF, DKIM und DMARC gemeinsam mit dir an und richten sie bei Bedarf sauber ein.

Beitrag teilen